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Adventskalender.

 

Extra

2018 haben wir Ihnen
24  Adventsmärchen
zum Vorlesen angeboten.

2019 gab es für Sie
24 Adventsgedichte.

Wer mag – hier können Sie diese noch einmal komplett herunterladen.

24 PROMIS

ADVENTSKALENDER

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Von Logopädentango

bis Stotterer-Fox

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ganzschönfeist  /  The Who  /  Hermann Leopoldie
Mike Krüger  /  Scatman John /  Bachmann-Turner Overdrive

 

Wer über seine Schwächen lachen kann, hat schon halb gewonnen. Das steht fest. Doch es ist ein schmaler Grat: sich übers Stottern lustig machen. Viele haben es schon versucht – auch in Songs. Nicht immer mit Erfolg.

Die wohl charmanteste Liebeserklärung
eines Stotterers ist der freundlich-freche
„Logopädentango“ der Kleinkunstgruppe
Ganzschönfeist, damals noch ein
musikkabarettistisches, teilinstrumentiertes
PopAcappellaComedy-Trio, das mittlerweile
zerbrochen, also nicht mehr ganz ist, aber immer noch als Schönfeist-Duo auf der Bühne steht. Die Songidee sei ihm einfach so gekommen, erzählt Texter und Frontsänger Mathias Zeh, natürlich ohne fachlichen Beistand, eigene Erfahrungen oder biografische Bezüge. Und man weiß bei diesen Worten nicht recht, wann ein Comedien ernsthaft wird …

Das berühmteste Missverständnis gab es
1965 zwischen der britischen Band
"The Who" und der BBC. Der britische
Rundfunk warf Sänger Roger Daltrey vor,
sich in dem jugendrebellischen Song
„My Generation“ über stotternde Menschen
lustig gemacht zu haben und weigerte sich lange, den Song im Radio zu spielen.  Tatsächlich kam die Idee vom Bandmanger: „Stottere den Text, so klingst Du wie eine Junge auf Speed.“ Gesagt, getan. Roger Daltrey stottert übrigens wirklich, er hatte damals aber seinen Sprachfehler schon gut unter Kontrolle bekommen. – Das Stück schaffte es auf Platz 2 der britischen Singlecharts, das Musikmagazin Rolling Stone setzte es in der Liste der „500 besten Songs aller Zeiten“ auf Platz 11 und 1999 wurde der Song mit einem Grammy Hall of Fame Award ausgezeichnet.

Weit weniger Sorgen um Political
Correctness musste sich Hermann
Leopoldie
machen. Der Wiener Klavier-
Komödiant, ein Zeitgenosse Otto Reuthers
und Karl Valentins, wurde auf den damals
boomenden Varietébühnen gefeiert – auch mit seinem Stotterer-Fox, den er von ganzem Herzen und in wienerischem Schmä und einem Augenzwinkern, aber dennoch durchaus sozialkritisch dem Publikum entgegenschmetterte, obwohl er selbst kein Stotterer war. Man sagt, die Idee hätten er und sein Texter Peter Herz in den Kaffeehäusern der Stadt aufgeschnappt.

Der Blödelbarde Mike Krüger hat dagegen
die eigene Erfahrung zum Songvorbild
nehmen können: Mit „M-M-M-Mädel“
lässt er seit 1981 sein Publikum darüber
jauchzen, dass er beim Ansprechen von
Frauen seit jeher ins Stottern gerät.

Ein anderer Stotterer, der amerikanisch
Scat- und Jazzsänger Scatman John,
wurde zum Vorbild für Menschen mit einer
Behinderung. Er engagierte er sich für
Organisationen, die sich für stotternde
Menschen einsetzen und machte aus seinem Problem kein Geheimnis. Im Gegenteil: Ausgerechnet ein teils gestotterter Song machte ihn in Japan so berühmt, dass japanische Spielzeugläden Puppen von ihm verkauften und sein Gesicht auf Telefonkarten und Coca-Cola-Dosen zu sehen war: „Su Su Su Super Ki Re I“ wurde dort für Werbeclips genutzt, bevor der die Charts weltweit eroberte.

Schräger ist da schon die Geschichte eines
Songs der kanadischen Rockband
Bachmann-Turner Overdrive. Ihr größter
Erfolg: „You ain’t seen nothing yet“ – und
wenn es nach der Band gegangen wäre,
wäre dieser Titel nie veröffentlicht worden. 1974 arbeitet die Band im Studio am dritten Album. Zum Warmspielen hat Gitarrist und Sänger Randy ein Lied zusammen-geschustert, um Mikros und Anlage zu testen und um seinen Bruder Gary aufzu-muntern. Gary ist Manager der Band und mag den Job nicht mehr. Er stottert, was ihn bei geschäftlichen Gesprächen ziemlich behindert. Deshalb baut Randy Gestotter in das Lied ein, er parodiert Gary und will die Aufnahme will seinem Bruder schicken samt der Botschaft: ‚Stottern ist doch nicht so schlimm – man kann sogar mit Stottern singen.‘ Natürlich soll das gestotterte „You ain’t seen nothing yet“ nicht auf die Platte – aber die Plattenfirma bekommt mit, dass das Lied existiert. „Das wird veröffentlicht,“ heißt es. „Nein,“ sagt Randy, „das geht doch nicht, ich muss es nochmal singen, ohne Stottern!“ – „Keiner rührt das Stück an“, sagt der Produzent der Firma. Es gibt Streit. Nach drei Wochen gibt Randy nach, der Song wird ein Riesenerfolg. Und es passiert Merkwürdiges: Nachdem der Song veröffentlicht ist, stottert Gary Bachman nicht mehr. „You ain’t seen nothing yet“ erweist sich als wirkungsvolle Therapie.

 

24. Dezember 2020

„Stottere den Text. Dann klingst Du,
wie ein Junge auf Speed.“

The Who

„Stottern ist doch nicht so schlimm – man kann sogar mit Stottern singen.“

Bachmann-Turner Overdrive

 

Logopädentango

 

 

 

 

My Generation

 

 

 

 

Stotterer-Fox

 

 

 

 

M-M-M-Mädel

 

 

 

 

Su Su Su Super Ki RE I

 

 

 

 

you ain't seen nothing yet

 

 

 

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