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Adventskalender.

 

Extra

2018 haben wir Ihnen
24  Adventsmärchen
zum Vorlesen angeboten.

2019 gab es für Sie
24 Adventsgedichte.

Wer mag – hier können Sie diese noch einmal komplett herunterladen.

24 PROMIS

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Jackie Stewart

Sir John Young „Jackie“ Stewart

 

* 1939

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Er hat Probleme, das Alphabet aufzusagen. Und als er von der Queen zum Ritter geschlagen wurde, da konnte er „God Save The Queen“ nur mitsummen, weil er
sich den Text nicht merken kann. Und dennoch: Jackie Stewart ist dreifacher
Formel 1-Weltmeister, fuhr in 99 Grand Prix 27 Siege ein, führte seinen eigenen Formel 1-Rennstall auf das Siegerpodest – und er ist schwerer Legastheniker.

Diese Lernschwäche, die beim Schotten erst im Alter von 42 Jahren diagnostiziert wurde, hat sein Leben geprägt – zunächst auf negative, später aber auf positive Weise. Die vermeintliche Schwäche war für ihn Triebfeder, um seine Ziele zu erreichen. „Einstein war Legastheniker. Und hätte ich nicht drei WM-Titel gewonnen, dann wäre ich heute eben der beste Fensterputzer - ernsthaft“, stellt Stewart klar. „Wenn man als Legastheniker etwas findet, worin man gut ist, dann bemüht man sich, darin besser zu sein als jeder andere. Man kann nicht so denken wie die cleveren Leute, also denkt man immer etwas unkonventionell und geht Wege, die niemand geht.“

Das ist bei Jackie Steward schon in jungen Jahren so. Während er sich in der Schule schwer tut und von Mitschülern und Lehrern nicht ernst genommen wird, entdeckt den Sport als Chance zur Selbstverwirklichung. „Aber beim Fußball habe ich mir dauernd irgendwas gebrochen“, sagte Stewart. Deshalb versuchte er sich als Tontaubenschütze. Mit 13 gewinnt er nationale Titel im Tontaubenschießen, wird  wenig später Junioren-Weltmeister. Dass er die Schule mit 16 abbrechen muss, interessiert da keinen mehr. Mit 21 scheitert er um einen Treffer an der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rom. Dort ist er nur Ersatzmann, ein Jahr später holt er Platz 6 bei der WM. Sauer über die verpasste Olympia-Teilnahme ist er noch heute.

Deshalb sattelt er um auf Rennfahrer. Sein Vater ist Tankstellenbesitzer – und der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum. Stewarts Aufstieg verlief kometenhaft. Die Formel 3 dominiert er fast nach Belieben. Schon bei seinem Premierenrennen baut er eine 25-Sekunden-Führung in nur zwei Runden auf 44 Sekunden aus.

Die Formel 1-Teams rissen sich fortan um ihn. 1965 wählte er das Team, für das auch Weltmeister Graham Hill fuhr, hatte auf Anhieb ein Abo auf Podestplätze, holte schon in seinem achten Rennen den Sieg auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in Monza und beendete seine Debütsaison als WM-Dritter.

Damals sind tödliche Unfälle sind Rennalltag, Stewart hat 57 tödliche Unfälle seiner Kollegen miterlebt. Stewart kämpft auf der Strecke trotzdem beinhart. Auf dem hügeligen Ardennen-Ring im belgischen Spa setzt plötzlich strömender Regen ein. Die Konkurrenten rutschen reihenweise von der Strecke. Stewart überschlägt sich, ist in seinem Boliden eingeklemmt, auslaufendes Benzin tränkt seinen Anzug. Ein Funke … Weil die Streckenposten nicht ausgerüstet sind, muss er 30 Minuten verharren, ehe ihn Teamkollege Hill und Bob Bondurant aus dem Wrack befreien. Sie hatten sich von Zuschauern einen Schraubenschlüssel geborgt und dann das Lenkrad abgeschraubt. Das Benzin verätzt seine Haut, er muss halbe Stunde auf den Krankenwagen warten. Auf dem Weg in die Klinik  verfährt sich dessen Fahrer auch noch.

Zeitlebens setzt sich Jackie Stewart für Sicherheit im Motorrennsport ein: Er entwickelte er feuerfeste Bekleidung von den Socken bis zum Kopfschutz, kämpfte für Auslaufzonen, den Ausbau der medizinischen Versorgung und den umfassenden Einsatz von Streckenposten.

Auch seine Legasthenie versteckt er nicht. Im Gegenteil: Bis heute ist er überzeugt, dass sie ihm im Rennsport Vorteile verschafft hat. Er deklassiert mitunter die Konkurrenz mit zwei Runden Vorsprung. Legendär ist sein Sieg 1968 beim Rennen auf der Nordschleife des Nürburgringes, einer Strecke mit knapp 23 Kilometern Länge und 187 Kurven – ohne Auslaufzonen, tempobremsenden Schikanen, dafür mit dicken Bäumen und Hecken entlang der Fahrbahn. Bei dichtem Neben und Dauerregen fuhr er dort die Ewigkeit von 4 Minuten Vorsprung heraus. „Statt Worten haben sich bei mir Erfahrungswerte ins Gedächtnis gebrannt. Ich hatte für die ganzen Widrigkeiten auf der Strecke ein fotografisches Gedächtnis. Bis heute kenne ich noch jeden Schalt- und jeden Bremspunkt.“

Vor seinem 100. Rennen erlebt er im Training den tödlichen Unfall seines Teamkollegen, er verzichtet auf den Start und beendet seine aktive Rennkarriere.

Fortan arbeitete er an Sicherheitskonzepten für den Rennsport, argumentierte für Auslaufzonen, entschärfte Sprunghügel, doppelte Leitplanken. Er blieb dem Formel 1-Zirkus treu – als Inhaber eines Rennstalls, als Formel 1-Kommentator für die Medien, als erfolgreicher Selbstvermarkter. Bis heute ist er gern gesehener Gast an allen Rennstrecken. Und bis heute bringt ihm das erkleckliche Einnahmen. Er kann es sich leisten, als Legastheniker stets mit seinem eigenen Sekretär um die Welt zu reisen. Er weiß, das kann nicht jeder – für ihn ein guter Grund, von seinem Geld medizinische Forschungs- und soziale Unterstützungsprojekte mitzufinanzieren.

 

23. Dezember 2020

„Sie werden nie wirklich verstehen, was es bedeutet, Legastheniker zu sein. Egal, wie lange Sie schon in diesem Bereich arbeiten, egal, ob Ihre eigenen Kinder Legastheniker sind – Sie werden nie verstehen, wie es sich anfühlt, die ganze Kindheit über gedemütigt zu werden und Tag für Tag eingeimpft zu bekommen, dass Sie es nie zu etwas bringen werden.“

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