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Adventskalender.

 

Extra

2018 haben wir Ihnen
24  Adventsmärchen
zum Vorlesen angeboten.

2019 gab es für Sie
24 Adventsgedichte.

Wer mag – hier können Sie diese noch einmal komplett herunterladen.

24 PROMIS

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Winston Churchill

 

1874 - 1956

 

 

 

 

 

 

 

Ihren einstigen Premierminister Winston Churchill halten die Briten laut einer BBC-Umfrage für den „größter Engländer aller Zeiten“.

Das hätte wohl niemand von dem kleinen, schmächtigen, aber stets renitenten Winston geglaubt. Er stotterte, lispelte und galt als Schulversager.

Das autoritäre Schulsystem lag ihm nicht. Er blieb mehrfach sitzen, zertrat seinem Lehrer aus Frust und Wut den Strohhut, fiel zweimal durch die Aufnahmeprüfung beim Militär, bis er es dann doch noch schaffte.

An der Militärakademie fühlte er sich das erste Mal an der richtigen Stelle, hier eignete er sich – ohne schulischen Druck – profunde Literaturkenntnisse an und begann selbst zu schreiben. Hier begann er jener Winston Churchill zu werden, den wir kennen: ein Barockmensch aus dem Viktorianischen Zeitalter, der noch an der letzten Kavallerieattacke der britischen Militärgeschichte beteiligt war, den Anstoß für die Erfindung des Panzers im Ersten Weltkrieg gab, die Atombombe voraussah, mehr Worte als Shakespeare und Charles Dickens zusammen geschrieben hat,
den Literaturnobelpreis bekam, als ambitionierter Hobbymaler fast 600 Gemälde hinterließ, geschätzte 250 000 Zigarren in seinem Leben rauchte und seiner Clementine 57 Jahre ein treuer Ehemann war. Vor allem aber wurde er einer der besten Redner und einflussreichsten Politiker seiner Zeit.

 Zunächst aber zog er 1901 als gewählter Abgeordneter für die Konservativen ins debattierfreudige britische Unterhaus ein – als Hinterbänkler, voller Elan und Sendungsbewusstsein. Trotzdem schafft er nicht auf die vorderen Plätze, man mag den ehrgeizigen Bürgerlichen bei den Tories nicht so recht, er ist zu direkt, verzichtet auf diplomatisches Geschwurbel.

Dann kam der 22. April 1904. In seiner Churchill-Biografie beschreibt der heutige Premier Boris Johnson eine Episode, die an diesem Tag im Unterhaus geschah: „Allein in diesem Jahr hat er (Churchill) bereits Dutzende Male gesprochen, ist auf und ab gesprungen, um den Präsidenten des Parlaments in Debatten auf sich aufmerksam zu machen […]. Nach und nach macht er sich einen Namen. Sein Porträt wird in regelmäßigen Abständen in den Zeitungen abgedruckt, samt ehrfürchtigen Bildunterschriften. Er wird gezeigt, wie er mit der Faust in die offene Hand schlägt, die Hände in die Hüfte stemmt oder seine berühmte beidhändige Hackbewegung macht.“ Die Tories sind Regierungspartei, Churchill aber redet wie die Opposition. Das sorgt für Aufmerksamkeit, er ist ein aufsteigender Stern der gerade politisch untergehenden Konservativen.

An jenem 22. April wirft er den Tories vor, sie seien eine „Schande“, sie hätten ihre demokratischen Prinzipien vergessen. Die Tory-Abgeordneten um ihn herum pfeifen, scharren mit den Füßen und versuchen sonstwie, den Redner aus dem Konzept zu bringen. Die Opposition jubelt ihm zu. Churchill möchte strei­kenden Arbeiter erlauben, Streikverweigerer zum Mitmachen zu zwin­gen. Er will die Gewerkschaften gegen Strafverfolgung schützen, falls ihre Mitglieder dabei das Gesetz übertreten.

Nach 45 mitreißenden Redeminuten setzte zum Höhepunkt an: Man könne nicht leugnen, sagt Churchill, dass der Einfluss der arbeitenden Schichten lächerlich klein sei. „Und er stützt sich wei­terhin auf jene, die ...“ Churchill bricht unvermittelt ab. Einige sehen ihn fragend an. Was  stützt sich auf wen? – Das Unterhaus wartet. Eine ganze lange Sekunde. Dann setzt Churchill erneut an: „Er stützt sich auf jene, die …“  Nach und nach wird klar, dass etwas nicht stimmt. Offenbar ist er das Opfer einer mentalen Blockade, einer gesetzwidrigen Arbeitsverweigerung in seinem Gehirn. In diesem riesigen Frachtraum sind die Lagerarbeiter in Streik gegangen, das Förderband seiner Zunge läuft leer. Es kommen keine Wörter heraus. Er versucht es noch einmal – vergeblich. Drei Minuten steht er da, volle drei Minuten. Was er sagen will, kommt nicht über seine Zunge. Die Tories brechen schon nach wenigen Sekunden in Gelächter aus, die Opposition ist mitfühlend. Bald aber wird tuschelt, man schaut verlegen auf den Boden: Ge­nau das Gleiche sei mit Randolph passiert, erinnert man sich. Randolph Churchill ist Winstons Vater – Mitbegründer der Konservativen Partei, Abgeordneter im Unterhaus, Mehrheitsführer, Beinahe-Premierminister. Auch er kämpfte mit Sprechblockaden.

Für Winston Churchill war jeder 22. April ein schwarzer Tag, das Gelächter seiner Parteifreunde noch ihn den Ohren, wechselte er im Mai zu den Liberalen, in die vorderen Reihen. Ihm stand nun der Weg für seine politische Karriere offen, er bekleidete Ministerämter, wurde zweimal Premierminister und berühmt für seine klaren, offenen Reden.

„Er machte die Sprache zu seinem Schwert“, formulierte Boris Johnson bewundernd. Churchill selbst sagte: „Ich persönlich mag kurze Worte.“ Und wie viele Stotterer benutzte er sogenannte „Anlasser“ vor dem eigentlichen Sprechen, damit die Stimmbänder sich nicht verhaken. Churchill verwendete lange „M“ – wie in „Mmmm . . . England will never surrender.“ Seine großen Reden als Premierminister während der Hitlerzeit sind in die Weltgeschichte eingegangen.

 

22. Dezember 2020


„Ich persönlich mag kurze Worte.“

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