Sprachhaus

 

Wilhelm Busch

 

Zahnweh

 

Das Zahnweh, subjektiv genommen,

ist ohne Zweifel unwillkommen;

doch hat‘s die gute Eigenschaft,

dass sich dabei die Lebenskraft,

die man nach außen oft verschwendet,

auf einen Punkt nach innen wendet

und hier energisch konzentriert.

Kaum wird der erste Stich verspürt,

kaum fühlt man das bekannte Bohren,

das Zucken, Rucken und Rumoren,

und aus ist‘s mit der Weltgeschichte,

vergessen sind die Kursberichte,

die Steuern und das Einmaleins,

kurz, jede Form gewohnten Seins,

die sonst real erscheint und wichtig,

wird plötzlich wesenlos und nichtig.

Ja, selbst die alte Liebe rostet,

man weiß nicht, was die Butter kostet,

denn einzig in der engen Höhle

des Backenzahnes weilt die Seele,

und unter Toben und Gesaus

reift der Entschluss: Er muss heraus!

 

 

 

Übrigens …

Das Gedicht stammt aus den „Bildergeschichten“,  und ist ein Ausschmitt aus "Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter", Buschs vorletzter Bildergeschichte. Sie erschien 1882.

Extra

Im Advent 2018 habe wir Ihnen 24 Märchen zum Vorlesen angeboten.
Wer mag – hier können Sie diese noch einmal komplett herunterladen.

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